Die Glocken

»So schien die Gemeinde auf absehbare Zeit mit einem ausreichenden Geläut ¹ versehen zu sein; aber - der Mensch denkt, und Gott lenkt! - Im Sommer 1914 wurde der Friede von der Erde genommen; die Kriegsfurie brach los; fast die ganze Welt war gegen uns; unser Vaterland glich bald einer eingeschlossenen Festung; fast nichts kam mehr herein. So reichte auch das Kupfer nur bis 1917; dann fing es an zu fehlen. Hausgerät, Kunstgegenstände, Dachplatten und schließlich die Kirchenglocken waren berufen, den Mangel zu decken.

Um die Uhrglocke zu retten, entschloß sich der Kirchenvorstand, beide Läuteglocken auf einmal abzuliefern. Am 17. Juni 1917 läuteten beide Glocken zum letzten Male den sonntäglichen Gottesdienst ein.« ²

Die 1661 von  Hans Brandes vom Brincke  gestiftete kleine Uhrenschlagglocke war unter einem Überdach an der Ostseite des Turmdaches unterhalb der Turmspitze aufgehängt.  Sie hat einen Durchmesser von 0,57 m, wiegt 100 kg und hat den Schlagton ges´.

An ihrem unteren Rand trägt sie die Inschrift:

PHILIPPER AM 1. CAP.  CHRISTUS IST MEIN LEBEN STERBEN IST MEIN GEWINN.

 

¹  Zwei im Jahre 1891 gegossene große Bronzeglocken.

²  Ernst Gerlach: Monatsbote für die Ev.-luth. Kirchengemeinde Langenhagen, Februar 1936.

 

 

Obwohl die wenigen Gießereien, in denen Stahlglocken hergestellt wurden, nur eine begrenzte Menge Metall erhielten und mit Aufträgen überhäuft waren, gelang es dem Kirchenvorstand, zwei neue Stahlglocken zu beschaffen – unsere heutigen Glocken.

Die größere (Schlagton as´) hat einen Durchmesser von 1,22 m und ein Gewicht von 700 kg, die kleinere (Schlagton des´)  einen Durchmesser von 0,95 m und ein Gewicht von 370 kg. Namen und Verzierungen finden sich an diesen Glocken nicht - allein das Herstellungsjahr 1918 ist angegeben.

Am 1. Pfingsttage 1918 läuteten die neuen Glocken zum ersten Mal.

Im Jahre 1934 hat der Kirchenvorstand noch ein elektrisch betriebenes Läutewerk anbringen lassen, so dass die Glocken nun nicht mehr, wie bisher, getreten werden mussten; bis 1891 waren die Glocken noch mit Seilen gezogen worden.

Die bei einem Luftangriff im 2. Weltkrieg gesprungene Uhrenschlagglocke wurde 1954 repariert und im Turm angebracht. Das Überdach an der Ostseite des Turmes wurde bei der Kirchenrenovierung 1965-1969 entfernt.

 

 

Am 1. Weihnachtstag 1956 wurde eine vierte Glocke geweiht. Sie hat einen Durchmesser von 0,86 m und ein Gewicht von 360 kg (Schlagton b´). Diese Glocke aus dem Jahr 1746 gehörte bis 1944 zum Geläut der Stadtkirche in Friedland (Ostpreußen) und war nach ihrer Entdeckung auf dem Glockenfriedhof ¹ in Hamburg auf Initiative des aus Ostpreußen stammenden Pastorenehepaares Nasner ² hierher gebracht worden. Sie trägt die Inschrift:

WENN ICH DIE OHREN FÜLLE, SO FÜLLE DU, O GOTT, DAS HERTZ, SONST IST MEIN RUFF ZU GRAB UND WORT DES LEBENS GEWISS VERGEBENS. SOLI DEO GLORIA. ME FECIT JOHANN CHRISTOPH DORLING REGIOMONTI 1746 ³.

¹ Glockenfriedhof, Bezeichnung für Sammelplätze zum Einschmelzen bestimmter Glocken. 

² Ernst Nasner, von 1948 -1965 Pastor in Langenhagen.

³ Me fecit, mich hat gemacht.    Regiomonti, Königsberg

 

Aus einem Bericht von Pastor Nasner über die Glockenweihe: 

» Nun ist die Glockenstube im Turm restlos ausgefüllt. ... 

Die Glocken rufen in allen Gemeinden Gottes Kinder in Gottes Haus. Uns will der Ton der neuen Glocke deutlich machen, daß Gottes Ruf immer ein Ruf zum Verstehen, Mitgefühl und zur Verwirklichung der Nächstenliebe ist.

So wie die Glocke aus Friedland mit den Glocken aus Langenhagen harmonisch zusammenklingt, so werden wir alle *) gemahnt: bleibt beieinander, steht füreinander ein, zeigt Verständnis füreinander in allen Verschiedenheiten! 

Nur so kann es ein harmonisches Zusammenleben geben in unseren Tagen.«

 

*)  wir alle, d. h. Einheimische u. alle, die nach Flucht oder Vertreibung hier ein neues Zuhause gefunden haben.

 

 

 

Weitere Informationen über unsere Glocken können Sie der hier zum Download bereitgestellten Datei entnehmen.